Neubrandenburger Laufgruppe seit einem Vierteljahrhundert unterwegs

Von Franziska Gerhardt

Prominenter Gast der Turbine-Laufgruppe war Marathon-Doppel-Olympiasieger Waldemar Cierpinski ? der Mann im orangenen T-Shirt.

Seit einem Vierteljahrhundert ist sie schon unterwegs: Die Laufgruppe des SV Turbine Neubrandenburg feiert am Sonnabend (17.03.2012) ihr Jubiläum. Mit einer Anzeige fing alles an. "Das war nur ein kleiner Dreizeiler, der damals in der 'Freien Erde', dem heutigen Nordkurier, erschienen ist", erinnert sich Jörg Knospe.

Darin suchte er nach Mitstreitern für eine Laufgruppe. Heute sitzt Jörg Knospe mit seinem Kollegen Erwin Bilda im Neubrandenburger Büro des Vereins und blickt auf 25 Jahre Laufgeschichte zurück. Die zwei sind die einzigen noch aktiven der ursprünglich zehn Gründungsmitglieder. Am Sonnabend wird das Jubiläum mit einer großen Tanzparty im Güterbahnhof gefeiert.

Dem Aufruf in der "Freien Erde" folgte ein erstes gemeinsames Training in der Turnhalle des Energiekombinates Ihlenfelder Straße. Ziemlich bald wurde auch die Teilnahme an Wettkämpfen gesucht. Der erste war der Lübbesee-Lauf in Templin über 20 Kilometer, den es heute noch gibt. "Wir sind dann auch schnell zum Veranstalter geworden", erzählt Leiter Jörg Knospe.

"1989 starteten wir mit dem Lindetal-Lauf, der ein Jahr später an den Tollensesee verlagert wurde." Das hatte praktische Gründe: Auf der ursprünglichen Strecke war eine Brücke gesperrt, so dass die Läufer dort nicht mehr entlangkamen. Also wich man auf eine Strecke am Ufer des Tollensesees aus, die mit einer Länge von 16 Kilometer beziehungsweise zehn Meilen nach Klein Nemerow führte.

Nach dem Lauf feierten die Neubrandenburger mit Sportfreunden aus der Partnerstadt Flensburg in die Währungsunion, die am 1. Juli 1990 startete, hinein. Ab Mitternacht gab es keinen Ausschank mehr für DDR-Mark. Gemeinsam war die Idee zum Tollensesee-Lauf geboren, der sich ebenfalls zu einer festen Größe in der Region und zu einem der beliebtesten Landschaftsläufe Deutschlands entwickelte. 21 Wettkämpfe gab es bisher schon. Ebenfalls 1990 hatten dann Jörg Knospe und seine Mitstreiter die Idee, nicht nur Flensburg, sondern alle Partnerstädte Neubrandenburgs für Läufe einzuladen. "Der damalige Oberbürgermeister Klaus-Peter Bolick fand die Idee toll und hat uns unterstützt, auch finanziell", erzählt Knospe.

Einen weiteren Höhepunkt konnte die Laufgruppe im September desselben Jahres erleben: Man fuhr zum Marathon nach Berlin. Mit seinem Vereinskollegen Norbert Töpfer und 25.000 anderen Startern lief Jörg Knospe durch das Brandenburger Tor. Nach der Wende hatte die Gruppe großen Zuwachs, auch einige ehemalige Leistungssportler kamen hinzu. Gemeinsam organisierten und liefen die Mitglieder seit 1992 den Frühlingslauf und seit 1996 den Staffelmarathon, bei dem sich fünf Läufer die klassische Marathonstrecke von 42,195 Kilometern teilen. "Dann gab es noch mehrere kleinere Sachen, wie etwa einen Duathlon, den Sommertriathlon, ohne Skier und mit 50-Meter-Schießen, der gemeinsam mit dem Schützenverein "Vier Tore" organisiert wurde, sowie mehrere Läufe in Alt Rehse", sagt Jörg Knospe.

Auch Lauftreffs für Anfänger – eine weitere Auflage startet in der kommenden Woche mit 60 Neueinsteigern – und Laufseminare wurden veranstaltet; 2009 wurde erfolgreich ein großer Staffellauf organisiert. Auch ins Ausland führte die Sportfreunde ihr Hobby. 1996 wurde in Athen das hundertjährige Jubiläum der Olympischen Spiele gefeiert. Zu diesem Anlass gab es einen Marathon auf der Original-Olympiastrecke, an der einige Laufgruppen-Mitglieder teilnahmen.

Überhaupt der Marathon: Anscheinend kann er zu einer Art Sucht werden. Erwin Bilda hat schon 36, Jörg Knospe gar 54 Marathon-Läufe absolviert. Mit Verbissenheit hat das aber nichts zu tun. "Das Laufen muss immer Spaß machen", betonen beide. Und Erwin Bilda ergänzt: "Man darf sich auf keinen Fall quälen." Andere "Auslandseinsätze" führten die Läufer in fast alle europäischen Länder sowie nach Amerika, Afrika, Asien und Australien. Die beiden Mitglieder Horst Niemann und Uwe Jorzick haben sogar schon auf allen Erdteilen Marathonläufe absolviert.

Heute hat die Laufgruppe 123 Mitglieder. Altersmäßig ist sie weit gefächert: Neun Jahre zählt das jüngste, 71 das älteste Mitglied. Zweimal die Woche läuft man in zwei Gruppen. Dazu kommen Athletik- und Krafttraining in der Halle. Auch zum Schwimmen kommen die Sportfreunde regelmäßig zusammen, und sonntags treffen sie sich als offene Gruppe am Jahnsportforum. Genug Zuwachs hat man, "Nachwuchssorgen" gibt es eigentlich nur für die Gruppe der unter 30-Jährigen.

Zur Jubiläumsparty am Sonnabend werden im Saal des Güterbahnhofes mehr als 100 Sportler und Gäste erwartet. Am Vormittag sind die Turbine-Leute aber erst einmal sportlich aktiv – beim Frühlingslauf, der um 10 Uhr gestartet wird.

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