Nach WM-Silber richtet Martina Strutz den Blick nach vorn

Von Burkhard Ehlers

Für den Leichtathletik-Verband Mecklenburg-Vorpommern gratulierte Präsident Jürgen Flehr (rechts) der "silbernen" Martina Strutz und deren Trainer Jürgen Schuldt.

14 Tage nach dem WM-Silber von Daegu steht für Martina Strutz der wohlverdiente Feier-Marathon an. Am Montagabend bereitete die Schweriner Trainingsgruppe der Stabhochspringerin im "Alten Schlachthof" einen herzlichen Empfang, am Mittwoch gibt's eine große Sause in Hagenow, und am Freitag wird noch einmal ganz privat im Freundeskreis angestoßen.

Bei allem Jubel nach dem Überraschungs-Coup in Südkorea denkt Martina Strutz jedoch schon weiter. "Ich habe den 4,80-Meter-Sprung von Daegu inzwischen mehrfach gesehen ‒ der war sehr, sehr gut. Ich weiß, dass ich noch mehr rausholen kann", erzählt die 29-Jährige. Immerhin stehen im kommenden Jahr Deutsche und Europameisterschaften, vor allem aber die Olympischen Spiele in London an. Da wollen Martina Strutz und ihr Trainer Thomas Schuldt nichts dem Zufall überlassen.

Vor zwei Jahren hatte "Strutzi" ‒ damals Schützling von Andreas Rändler ‒ bei Schuldt angefragt, ob er sich eine erneute Zusammenarbeit (Martina trainierte schon im Schüleralter bei Schuldt) vorstellen könne. Der Coach konnte, machte aber klare Vorgaben, unter anderem in Sachen Gewicht. Heute gerät die eigentlich recht sachliche Martina Strutz regelrecht ins Schwärmen, wenn es um ihren Trainer geht: "Er hat einen Riesenanteil an meiner Entwicklung. Vor allem aber hat er mich aufgefangen, als ich im vergangenen Jahr lange verletzt war." Da hatte ein Ermüdungsbruch des Schienbeins für eine Zwangspause gesorgt.

Umso erstaunlicher verlief die sportliche Entwicklung für den nur 1,60 Meter großen "Sprungfloh" in dieser Saison, in die Martina mit einer Bestleistung von 4,52 Meter gegangen war. Über 4,60 und 4,70 Meter sprang sie deutschen Rekord (4,78), um sich in Daegu auf besagte 4,80 Meter zu steigern. Zu den wenigen, die neben dem Trainer immer an Martina geglaubt haben, gehörten ihre Eltern ‒ bei der WM Augenzeuge des Erfolgs ihrer Tochter. "Als Kind war sie ein 'Flummi', immer in Bewegung", erinnert sich Vater Hans-Peter Strutz. Noch vor der Schule hatten die Eltern Klein-Martina deshalb beim Turnen angemeldet. Erst Jahre später folgte der Wechsel zur Leichtathletik.

Der hat sich spätestens jetzt gelohnt. Auch deshalb, weil der Hagenower SV der Athletin zuletzt eine Heimstatt bot und unter anderem für eine Bezahlung von Thomas Schuldt sorgte. Ob es in dem kleinen Verein eine Zukunft gibt, steht aber noch nicht fest. "Es werden jetzt Gespräche geführt, aber da ist noch Zeit", sagt Martina Strutz. Dafür steht für sie aber fest, dass "ich mit Thomas Schuldt meinen ,Endtrainer' gefunden habe". Der will schon im Oktober in die Vorbereitung der Olympiasaison einsteigen. In "längeren, vor allem aber härteren Stäben" sieht Schuldt die Grundlage für noch höhere Sprünge seiner Athletin. Die zieht mit, denn wie sagt sie doch mit neuem Selbstbewusstsein: "Ich bin noch immer nicht da angekommen, wo ich eigentlich sein könnte."

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