Nach "Wahnsinnsjahr" 2012: Anna Rüh peilt neue Ziele an

Von Burkhard Ehlers

Aufsteigerin des Jahres: Anna Rüh vom SC Neubrandenburg. (Foto: I. Hensel)

2012 war ein Jahr der Superlative für Anna Rüh − die 19-jährige Diskuswerferin vom SC Neubrandenburg ist mit sensationeller "Geschwindigkeit" in der Weltspitze angekommen. Sie wurde U 20-Weltmeisterin und EM-Vierte, sie schaffte den Sprung zu den Olympischen Spielen nach London. Dabei stand zu Saisonbeginn bei einer Bestleistung von 59,97 Meter lediglich die Nachwuchs-WM in Barcelona auf ihrem Zettel. Doch es kam noch viel mehr.

Die schlanke Blondine überraschte frühzeitig mit 63,04 Meter, steigerte sich über 63,14 weiter auf 63,38 Meter. Deutsche Meisterschaften (Bronze), EM und Olympische Spiele folgten − Anna Rüh avancierte in der deutschen Leichtathletik zur Aufsteigerin des Jahres, das am vergangenen Wochenende abgerundet wurde. Beim traditionellen Sportlerball in Zinnowitz erhielt sie den begehrten Marita-Koch-Förderpreis.

"Das war wirklich ein toller Abschluss eines tollen Jahres", freut sich die gebürtige Greifswalderin, die gemeinsam mit Erfolgstrainer Dieter Kollark − er feiert dieser Tage seinen 68. Geburtstag − viel erreicht hat und noch lange nicht am Ziel ist. „Natürlich kann man das alles noch mal sacken lassen, aber viel Zeit bleibt dafür nicht“, sagt Anna Rüh. Derzeit steht das nicht unbedingt beliebte Aufbautraining an − es wird Kraft gebolzt.

Im Winter wird die Diskusscheibe ein wenig in den Hintergrund rücken. "Ich werde wahrscheinlich ein paar Hallenwettbewerbe mit der Kugel bestreiten, aber das läuft nur nebenbei", blickt die Athletin voraus. Ab 21. Dezember soll es ein paar Tage Weihnachtsurlaub geben, aber: "So richtig frei habe ich eigentlich nie." Doch damit kommt Anna Rüh klar. "Wenn ich besser sein will als andere, muss ich intensiver trainieren", sagt sie.

Die Ergebnisse dieses Jahres bestärken sie in dieser Erkenntnis, wobei der U 20-WM-Titel in Barcelona "der wichtigste Wettkampf" war. Unvergessen bleiben aber vor allem der olympische Wettstreit vor fast 85.000 Zuschauern und die beeindruckende Abschlussveranstaltung in London. Rühs zehnter Platz bei Olympia ist übrigens noch nicht das letzte Wort. Da Silbermedaillen-Gewinnerin Darja Pischtschalnikowa (Russland) inzwischen des Dopings überführt wurde, könnte es durchaus noch der neunte Rang werden.

Anna Rüh weiß, dass sie mit ihren gerade mal 19 Jahren ein "Wahnsinnsjahr" hinter sich hat. Stillstand wird es deshalb aber nicht geben. "2013 will ich in Tampere U23-Europameisterin werden und bei der Weltmeisterschaft in Moskau ins Finale kommen", gibt sie selbst vor. Und auch wenn man sich nicht jedes Jahr um dreieinhalb Meter steigern kann, sollen die 65 Meter fallen. Wenn es denn so weit kommt, hat Dieter Kollark großen Anteil daran. Dem Trainer ist um die weitere Entwicklung seines Schützlings nicht bange: "Anna hat enormes Bewegungstalent und ist technisch richtig gut."

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