Gedopten Athleten soll Gefängnis drohen

von Christoph Thürkow

Wenn alles wie geplant läuft, darf sich Mark Frank in einem Jahr Diplom-Trainer Leichtathletik nennen. Doch so lange will der ehemalige Weltklasse-Speerwerfer vom 1. LAV Rostock nicht warten, bis er seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergibt.

Seit seinem Karriereende vor einem Jahr bastelt der 37-Jährige am Aufbau einer Speerwurf-Gruppe in der Hansestadt. Mittlerweile trainieren vier junge Athleten im Alter von 14 bis 20 Jahren unter seiner Anleitung.

"Das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen, aber es hat eine Perspektive", ist Frank realistisch. Noch kann er sich nicht täglich um das Quartett kümmern, weil sein Studium an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Köln und Mainz wöchentlich seine Anwesenheit erfordert. Außerdem ist der gebürtige Neustrelitzer als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) angestellt und muss in diesem Job Aufgaben wie die Vorbereitung von Trainingslagern oder Sichtungen wahrnehmen.

"So läuft das mit dem Speerwurf in Rostock zwar in enger Abstimmung mit dem Bundesleistungszentrum Wurf/Stoß in Neubrandenburg, aber eben auch ein bisschen separat. Mit Blick auf meine künftige Tätigkeit ist eine eigene Gruppe aber sicher nicht von Nachteil", sagt der deutsche Meister von 2009, der mit einer Bestleistung von 84,88 Metern in den "Ruhestand" ging. Dabei weiß Mark Frank, wie schwierig es ist, Athleten in die Spitze zu führen. "Bei meinen Jungs steht ja auch immer die Frage, wie lange der eine oder andere noch dabei ist", weiß der Coach um die Fluktuation in diesem Alter.

Doch die "Jungs" – das sind Lukas Walk (14), Max Hagemann (16), Mathias Gatzke (17) und Eric Berge (20) – machen nicht den Eindruck, als würden sie vor der technisch anspruchsvollen Wurfdisziplin kapitulieren. Im Gegenteil: Mit viel Eifer versuchen sie, Franks Anweisungen umzusetzen. "Schieb nicht drauf, bleibt mit dem Oberkörper hinterm Stemmbein" – so und so ähnlich lauten die Anweisungen des Trainers, die er wieder und wieder gibt. "Das Wichtigste ist eine vernünftige Technik. Wer die in jungen Jahren nicht verinnerlicht, lernt es nie", weiß Frank, der stets stoische Ruhe bewahrt. Da ist zum Beispiel der aus Grimmen stammende Lukas Walk, das "Nesthäkchen" der Gruppe. Er hat zuvor ein Jahr bei Carsten Hodea in Neubrandenburg trainiert, seine Bestleistung mit dem 600-Gramm-Speer liegt bei 48,83 Metern. "Lukas ist ein Rohdiamant, der mit Sorgfalt geschliffen werden muss", gibt Frank vor, während sein Schützling sicher ist, mit dem Speerwerfen die richtige Auswahl getroffen zu haben.

Das gilt auch für die anderen drei Werfer der Gruppe, die allesamt bereits auf eine mehr oder wenige intensive Beschäftigung mit der Leichtathletik zurückblicken können. So hat Mathias Gatzke beim 1. LAV lange Sprint und Sprung unter Peter Schörling trainiert. Ralf Skopnik, Vorsitzender des 1. LAV Rostock und langjähriger Trainer von Mark Frank, ist optimistisch. "Ich hoffe, dass wir in vier bis sechs Jahren Nachwuchs-Bundeskader haben", sagt er und verweist auf die Speerwurf-Tradition in Rostock. "Immerhin hat mit Steffi Nerius eine spätere Weltmeisterin hier trainiert."

Zurück